Tolkien 2016 – drei Bändchen

J. R. R. Tolkien

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John Ronald Reuel Tolkien (geb. 3. Januar 1892 in Bloemfontein, Oranje-Freistaat; † 2. September 1973 in Bournemouth, England), britischer Sprachprofessor und Schriftsteller, schrieb für seine Kinder in den 1930er Jahren die Erzählung „The Hobbit“, welche in der mythologischen Welt Mittelerdes spielt. 1957 wurde das Buch von Walter Scherf ins Deutsche übersetzt und erschien – was wohl die wenigsten Leute wissen dürften – im kleinen, aber feinen Georg Bitter Verlag in Recklinghausen. Ich selbst stieß in den frühen Achtzigern darauf, als ich ebendort nach einem Verleger für meinen grottenschlechten Fantasy-Roman suchte – und zog mir dabei ein Tolkien-Virus zu, welches nicht zuletzt meine Schreibfähigkeiten bis heute enorm verbesserte.

Während des Zweiten Weltkrieges begann John Ronald Reuel Tolkien die Arbeit an einem Nachfolgeband, der als „Der Herr der Ringe“ im Jahr 1954 erschien und der Tolkien (durch eine Raubkopie-Taschenbuchausgabe in den USA) zu einer Fantasy-Berühmtheit werden ließ. Die erste deutsche Übersetzung des Werkes erschien erst 1969/1970, mit einer Verspätung von 15 Jahren. Was für ein Elend für alle, die darauf warteten… Mittlerweile gibt es neue, zeitgemäßere Übersetzungen sämtlicher Tolkien-Titel, welche alle von der „Hobbit-Presse, Klett-Cotta“ vertrieben werden.

„Der Herr der Ringe“ wurde weltweit etwa 150 Millionen Mal verkauft. Mittlerweile zählt er allerdings zu den Klassikern: was heißt, dass er sich ein wenig überlebt hat. Es gibt die Freaks, die ihn – wie ich selbst – der Sprache wegen wieder und wieder lesen. Und es gibt normale, hochintelligente Menschen, die ihn – der Sprache wegen – als unlesbar empfinden. Hier muss ich mich der Wertung enthalten, denn ich bin eine ausgesprochene Nischenbegabung und nehme es immerhin selbst mit Thomas „der Schwafler“ Manns gesammelten Werken auf und das auch noch freiwillig.

Leider umfasst das Tolkien-Universum vergleichbar wenig Text. Für den Autor gab es immer soviel Wichtigeres zu erledigen – veröffentlicht zu werden, interessierte den Perfektionisten nur am Rande. Unbestreitbar bleibt sein Einfluss auf die Weltliteratur – und das bis heute.

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Sein 1924 geborener Sohn und Mittelalter-Wissenschaftler Christopher Tolkien nahm sich des Erbes an und bereitete jeden noch so kleinen Zettel für die Nachwelt auf, inklusive Randbemerkungen und Fußnoten. Aus diesem Wust formte der Klett-Cotta-Verlag so manche liebevoll gestaltete Neu-Veröffentlichung.

Dazu zählen auch die folgenden drei Bändchen.61xbusQWffL._SX363_BO1,204,203,200_

Die Abenteuer des Tom Bombadil“

Gebundene Ausgabe: 195 Seiten

  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1 (23. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608960910
  • ISBN-13: 978-3608960914
  • Originaltitel: The Adventures of Tom Bombadil
  • Größe und/oder Gewicht: 16,3 x 2,4 x 24,5 cm

Hierzu gab es 1962 einen Vorgänger im Verlag George Allen und Unwin. Meinem Geschmack trifft der Inhalt leider nicht, enthält das bunte Büchlein doch lediglich Gedichte „hobbitischer“ Herkunft und Nonsens-Reime. Diese wurden zweisprachig mit gelehrten Anmerkungen wiedergegeben. Als wunderschön empfinde ich allerdings die Illustrationen von Pauline Baynes

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J. R. R. Tolkien

Bauer Giles von Ham

(Der Aufstieg und die wunderbaren Abenteuer des Bauern Giles, Herr von Tame, Graf von Würmlingshausen und König im Kleinen Königreich)

Gebundene Ausgabe: 241 Seiten

  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1 (23. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608960929
  • ISBN-13: 978-3608960921
  • Originaltitel: Farmer Giles of Ham
  • Größe und/oder Gewicht: 16,3 x 2,5 x 24,5 cm

Der Vorgänger dieses Bandes erschien bereits 1949 bei George Allen und Unwin. Im Gegensatz zum „Bombadil“ lohnt sich meiner Meinung nach in diesem Fall der Erwerb des Werkes durchaus. „Giles von Ham“ ist eine schnurrige Erzählung, lang genug, dass Peter Jackson daraus einen abendfüllenden Film zaubern könnte. Tolkien präsentiert uns hier seinen Sprachwitz auf das Beste. Der Band enthält zwei Versionen der Geschichte, eine Galerie mit Pauline Baynes kongenialen Illustrationen, Anmerkungen und Literaturverweise.

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J. R. R. Tolkien

Der Schmied von Grossholzingen

  • Gebundene Ausgabe: 249 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1 (23. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608960937
  • ISBN-13: 978-3608960938
  • Originaltitel: Smith of Wooton Major
  • Größe und/oder Gewicht: 16,3 x 2,5 x 24,5 cm

 

1967 erschien der Vorgänger bei George Allen und Unwin. Auch einige Illustrationen von Pauline Baynes fehlen keinesfalls. Wie schon beim „Bauern Giles“ kommen hier weder Orks noch Hobbits vor. Sehr intensiv befasst der Band sich allerdings mit der Welt der Elben, wie sehr sich ihre Wahrnehmung verzerrt durch den Betrachter.

Im Reigen der drei gefällt mir dieser Band am allerbesten. Die Erzählung ist ganz zauberhaft, ein „trauriges, weises Buch… ein Mythos mit großem Feingefühl“ wie schon Christopher Derrick 1968 meinte. Da ich es selbst nicht besser formulieren kann, zitiere ich folgende Passage von S. 102. Sie stammt von Verlyn Flieger: „Es ist ein besonderes Anliegen dieser Ausgabe, den Lesern einen Einblick in den Schaffensprozess des Autors zu geben… Der Überblick über ´Figuren und Zeitplan`, die `Vorschläge für das Ende´ und der lange, nachdenkliche Essay ´Smith of Wooton Major´ vermitteln die exakt geplante Vorgeschichte und die unterliegenden philosophischen Grundgedanken…“

Dies alles ist in hohem Maße lesbar. Ich empfehle es als würdige Ergänzung zu Tolkiens Oevre.

 

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