Tad Williams – Spät dran am jüngsten Tag

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  • Gebundene Ausgabe: 611 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1. Aufl. (26. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608938354
  • ISBN-13: 978-3608938357
  • Originaltitel: Sleeping late on Judgement Day
  • Preis: 22,95 €
  • Wer meine Kolumne verfolgt, weiß, das ich viel von Tad Williams halte – prinzipiell. Denn seit „Shadowmarch“ wurden meine Leseerwartungen von ihm regelmäßig enttäuscht. Leider geschah dies nun auch im Fall des „Anwaltsengels“ Doloriel alias Bobby Dollar. Mehr als einmal wähnte ich mich während der Lektüre bei Markus Heitz auf Weihrauch… auch dafür gibt es ausreichend Fans, es ist nur nicht „meine Richtung“.
  • Manche Amis sind schon seltsam ´drauf… ich jedenfalls habe mit der Vorstellung, dass irgendjemand ein vor 4000 oder mehr Jahren zusammengestelltes und ebenso oft zensiertes, wie grottenschlecht übersetztes „Readers digest“ ernst nehmen könnte, so meine Schwierigkeiten. Ja, ich meine damit die Bibel – auf die Gefahr hin, irgendjemands Gefühle zu verletzen. Doch zum Leisetreter eigene ich mich eh´nicht. Vermutlich sind aber fundamentale Christen über Tad Williams Storyline ebenso verärgert wie ich. Denn er bleibt uns gänzlich die Erklärung schuldig, wie die persische Fruchtbarkeitsgöttin Anaita um Himmels willen an ein Erzengel-Amt kommt. Naheliegender hätte ich es gefunden, in ihr die Heilige Jungfrau zu entdecken. Wer auf wikipedia googelt, reiht sie sofort ein in den Archetyp von Ischtar, Isis und Aphrodite. Außerdem vermissen sie im „bible belt“ ganz sicher Armageddon, geben doch weder Originaltitel noch Klappentext Hinweise darauf, dass es nicht um den Untergang des Planeten Erde geht. In Gefahr schwebt lediglich das Taschenuniversum Kainos, von Himmel und Hölle gemeinsam konstruiert für den „Dritten Weg“. Die vom Autor mühselig an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen, warum es überhaupt dazu kam, fand ich wenig befriedigend. Trotz des Super-Duper-Engelamtes braucht Anaita weitere Gläubige? Und was wollte der finstere Fürst? Dräunen und Drohen? Keine Ahnung… Wirkliches Nachdenken ist hier offensichtlich nicht gefragt. Leser sollten statt dessen zum Glauben bereit sein und frohlocken.  Doch irgendwie klappt das bei mir nicht. Egal. Manchmal allerdings findet Tad Williams zur alten Form zurück – so auf Seite 385. Hier findet sich eine gelungene Beschreibung des Numinosen. Und trotz aller Flapsigkeiten gestaltet er die Person des „Anwaltsengels“ in Schwächen, Stärken, Selbstreflektion meisterlich.simon-miriamele Immerhin gibt es gute Neuigkeiten, auch wenn diese schon wieder weiter über ein Jahr alt sind: in einem Beitrag vom 03.04.2014 kündigt der Autor an, nach „Osten Ard“ zurückzukehren. Das ist der Schauplatz seiner ersten großen Erfolge um den „Drachenbeinthron“ und die „Großen Schwerter“. Was mir ein wenig Angst macht ist, dass ihn, wie er schreibt, seine Frau Deborah Beale auf die neuen Geschichten gestoßen hat… Bislang kam – meiner persönlichen Wertung nach – von ihr wenig Gescheites. Nun, geben wir der Sache eine Chance. Der Gesamttitel der neuen Serie lautet im Original: THE LAST KING OF OSTEN ARD. Angedacht sind folgende Episoden:

    The Witchwood Crown (Heard of Regret, 18.09.2015)
    Empire of Grass
    The Navigator’s Children.

    Laut dem Net scheint es damit voran zu gehen, die Veröffentlichung wird 2017 erwartet.

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