Frau Atwood und das Schicksal der Menschheit

Ich wollte euch lange schon mit dieser wirklich außergewöhnlichen Frau bekannt machen. Sie besetzt mit ihrem Werk in meinem Arbeitszimmer ein komplettes Regal und seit 1986 habe ich wirklich alles von ihr gelesen. Meiner Meinung nach ist jeder ihrer Titel auf seine Art skurril, doppelbödig, lebensweise, tiefgründig und gehört so ziemlich zum Originellsten, was mensch in der entsprechenden Sparte finden kann. Hierzu zählen natürlich auch ihre SF-Romane. Erwähnenswert ist sicherlich, dass Margaret Atwood auch mit Doris Lessing bekannt war. Lessing versäumte es niemals, eine Lanze für Science Fiction zu brechen. Beide Frauen haben sicherlich dazu beigetragen, die von uns geschätzte Literaturgattung aus ihrer Heftchen/Schmoll- und Schmuddelecke herauszuholen.

Margaret-Atwood_19.10.2009Margaret Eleanor Atwood, CC, O.Ont, FRSC

(* 18. November 1939 in Ottawa, Kanada) ist eine kanadische Schriftstellerin und Dichterin. Sie schreibt Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik. Ihre Arbeiten wurden in mehr als dreißig Sprachen, darunter Persisch, Japanisch und Türkisch, übersetzt.

  • 1969 (D: 1985) Die essbare Frau (The Edible Woman)
  • 1972 (D: 1978) Der lange Traum / Strömung (DDR) (Surfacing)
  • 1976 (D: 1984) Lady Orakel (Lady Oracle) Toronto Book Awards 1977 (zusammen mit Margaret Gibson, The Butterfly Ward)
  • 1979 (D: 1980) Die Unmöglichkeit der Nähe (Life before Man)
  • 1981 (D: 1982) Verletzungen (Bodily Harm)
  • 1988 (D: 1990) Katzenauge (Cat’s Eye) Toronto Book Awards 1989
  • 1993 (D: 1994) Die Räuberbraut (The Robber Bride) Trillium Book Award
  • 1996 (D: 1996) Alias Grace (Alias Grace) 1974 schrieb Atwood zum gleichen Thema das Fernsehspiel „The Servant Girl“ (Das Dienstmädchen)
  • 2000 (D: 2000) Der blinde Mörder (The Blind Assassin)
  • 2005 (D: 2005) Die Penelopiade (The Penelopiad)

*1985 (D: 1987) Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale) * war ihr erster SF-Titel und wurde mit viel Erfolg verfilmt. Auch diese Story handelte bereits in einer Art Endzeit, beschäftigte sich mit den Taktiken der Reichen und Mächtigen, nach einem unter großen Opfern gewonnenem Bürgerkrieg völlig verstrahlt das eigene Überleben zu sichern.

Diese Geschichte hat nichts gemein mit dem 2003 erschienenen 1 Band folgender Trilogie:

1. Oryx und Crake/ auch im Original:

Crake und Jimmy sind Freunde, und sie lieben dieselbe Frau, die rätselhafte Oryx. Sie leben in einer von Klimakatastrophen bedrohten Welt in einer nicht so fernen Zukunft. Crake, ein Genie genetischer Manipulation, ist Wissenschaftler und arbeitet an der Entwicklung neuer Medikamente, welche die Menschheit gegen Epidemien immunisieren sollen, aber er verfolgt darüber hinaus seine ganz eigenen Pläne…“

2. 2009 (D: 2009) Das Jahr der Flut (The Year of the Flood):

Es ist das Jahr der wasserlosen Flut. Eine tödliche Pandemie ist über die Menschheit hereingebrochen, nur einige wenige konnten sich retten. Hoch über den Dächern der Stadt leben die Gottesgärtner, bei denen die robuste Toby und die zarte Prostituierte Ren Zuflucht gefunden haben.“

3. 2013 (D: 2014) Die Geschichte von Zeb (MaddAddam)

Anfang April stolperte ich in meinem bevorzugten Jagdgebiet, der Stadtbücherei Recklinghausen, zu meiner großen Freude über den genannten Titel. Ich nahm es zum Anlass, endlich die lange geplanten Zeilen für BWA in Angriff zu nehmen. Die oben wiedergegebenen Inhaltsangaben der ersten beiden Bände stammen, mit kleinen Änderungen, aus dem Anhang. Ich selbst würde den dritten Teil wie folgt zusammenfassen:

Die Begegnung zwischen der von Oryx und Crake geschaffenen Neuen Menschen mit den teilweise schon recht schäbigen Resten der alten verläuft völlig anders als geplant. Diese Veganer sind keinesfalls so humorfrei, wie sie sein sollten, und auch ein Gutteil klüger… Zitat: Nein, wir singen erst später.“

Atwood selbst bevorzugt für ihre Werke den Begriff „Human Imagination“. Die Begründung hierzu lautet, dass der Leser in den genannten 4 Büchern vergeblich nach Raumschiffen oder Marsianern sucht, wie sie es auszudrücken pflegt. Stattdessen folgt sie Überlegungen, wie weit die Menschheit zu gehen bereit ist, es sich auf dieser Erde gut sein zu lassen. Und in Atwoods überbordender und unerschöpflicher Fantasie wird Zielen wie Schönheit, Jugend, Unsterblichkeit, Fun, Fun, Fun – wirklich alles untergeordnet. Konzerne erlangen unendliche Macht, niederste Instinkte werden ausgelebt, Altes ausgerottet und zahlreiche neue Tierarten zum Vergnügen oder als Ersatzteillager menschlicher Organe geschaffen. Das Schlimmste: im Prinzip sind alle diese Dinge bereits heute machbar.

Dabei geraten ihre Geschichten kein bisschen moralinsauer. Ihre Vorliebe für das Allzumenschliche, den Teufel im Detail und ihre spezielle Spielart von schwarzem Humor machen die Lektüre zum Vergnügen.

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