Anthony Ryan: Flut aus schwarzem Stahl

Anthony Ryan

Flut aus schwarzem Stahl

Reihe: Zeit des Zorns, Band 1

A Tide of Black Steel, Book One of „The Age of Wrath“

Klett-Cotta, Stuttgart, 14. Februar 2026 

Umfang 640 Seiten 

Format: Gebunden (Hardcover mit Schutzumschlag) 

ISBN 978-3-608-96641-1 

Zum Autor

Anthony Ryan, geboren in Schottland, gehört seit seinem Debüt Blood Song (2013) zu den prägenden Stimmen der modernen epischen Fantasy. Bekannt wurde er zunächst durch die Raven’s Shadow-Trilogie, die mit ihrer Mischung aus militärischer Härte, religiösen Konflikten und persönlicher Entwicklung ein breites Publikum erreichte. Es folgten weitere Reihen wie Draconis Memoria, in denen Ryan seine Vorliebe für komplexe Welten, vielschichtige Figuren und konfliktgetriebene Handlung weiter ausbaute. Mit The Age of Wrath schlägt er nun ein neues Kapitel auf. Und ein weiteres Mal geht es um rivalisierende Religionen – bemüht, den Göttern nahe zu sein, bringt man sich zu Tausenden ums liebe Leben.

Verlagsinformation:

Das Land Ascarlia ist ein sagenumwobenes Reich, das seit Jahrhunderten von den Schwesternköniginnen regiert wird. Niemand hat je gewagt, ihre Herrschaft in Frage zu stellen. Bis jetzt. Gerüchte berichten von Langschiffen mit tätowierten Kriegern, die unter den Bannern eines mörderischen Kultes segeln, der lange für ausgestorben gehalten wurde. Eine Flut aus schwarzem Stahl, die alles zu verschlingen droht …

Thera von Schwarzspeer, die bevorzugte Dienerin der Schwesternköniginnen, wird beauftragt, die Wahrheit hinter den Gerüchten aufzudecken. Während sie gen Norden segelt, begibt sich ihr verhasster Bruder Felnir auf seine eigene Reise. Er hofft, die Gunst der Königinnen auf Kosten seiner Schwester zu sichern. Beide Geschwister – gemeinsam mit einer brillanten jungen Schreiberin

ich ergänze: und schrägen, von den Göttern berührten Gestalten – werden sie im heraufziehenden Sturm ihre Rollen zu spielen haben.

Zwischen dem Zwist der Geschwister und den unerbittlichen Machtkämpfen am Hof der Königinnen hat die Zeit des Zorns begonnen.

Rezi:

Ich habe Anthony Ryans Werk seit seinem Debüt verfolgt. Zwischenzeitlich bin ich allerdings ausgestiegen, weil mir die Stoffe zu sehr ins Blutige kippten – irgendwann blieb zwischen all den Schlachten kaum noch Raum für etwas, das über das reine Geschehen hinausweist.

Beim vorliegenden Band bin ich dennoch schwach geworden. Die Ankündigung einer nordisch geprägten Welt war zu verlockend. Diese raue, ungeschönte Zeit, in der man aufbricht, sich nimmt, was erreichbar ist, und sich dabei selbst definiert – das hat eine eigene, schwer zu leugnende Faszination. Da bin ich gerne mit an Bord.

Und tatsächlich: Ich habe die Lektüre nicht bereut. Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen – und die sind zahlreich – bleibt genügend Substanz, um dranzubleiben. Die Figuren tragen, die Welt wirkt durchdacht, und zwischen den Kämpfen blitzen immer wieder Momente auf, die mehr sind als bloße Kulisse für Gewalt.

Einen Einwand muss ich allerdings loswerden. Ryan bleibt seiner bevorzugten Erzählstruktur treu: Er führt eine Szene an, baut Spannung auf – und wechselt dann konsequent die Perspektive. Die Form greift hier jedoch nicht vollständig, weil sich die Schauplätze und Situationen zu oft ähneln. Der Wechsel erzeugt dann weniger Dynamik als vielmehr Gleichförmigkeit. Statt die Spannung zu steigern, wird sie fragmentiert. Meiner Ansicht nach hätte der Roman durch eine stringentere, länger bei einer Perspektive verweilende Erzählweise deutlich gewonnen.

So bleibt ein zwiespältiger Eindruck: ein Roman, der mich zurückgeholt hat, ohne mich vollständig zu binden. Die Welt trägt, die Anlage überzeugt – aber der Zugriff bleibt ein wenig auf Distanz. Für Leserinnen und Leser, die genau diese dichte, kampfgetriebene Dramaturgie schätzen, möglicherweise weniger flüchtig lesen, dürfte das nicht so ins Gewicht fallen. Ich selbst hätte mir an entscheidenden Stellen mehr Ruhe und erzählerische Vertiefung gewünscht.