Patrick Rothfuss – Die Königsmörder-Trilogie

Patrick-Rothfuss-2014-kyle-cassidy.

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Inhaltsverzeichnis

Patrick Rothfuss 1

Die Königsmörder-Trilogie, Band 1

„Die Furcht des Weisen 1

„Die Furcht des Weisen 2

Die Musik der Stille

PATRICK ROTHFUSS

Die Königsmörder-Trilogie, Band 1

Der Name des Windes“

Klett-Cotta ISBN 978-3-608-93815-9, 860 S., 24,90 €

Der US-Amerikaner Patrick Rothfuss ist gerade mal 35 Jahre alt. 14 Jahre davon hat er an vorliegendem Buch gearbeitet. Und nun würde ich am liebsten hingehen und ihn an seinen Schreibtisch ketten, damit er mit dem zweiten Teil zu Rande kommt. Ich muss schließlich noch auf die Übersetzung warten. Und die Geschichte ist gut, verdammt spannend und originell. Sicher, man kennt mich ja als Fantasy-Fan. Doch Patrick Rothfuss könnte, glaube ich, alles schreiben. Krimi, Liebesgeschichte, Biografie, Historienroman, Satire – macht er auch, meisterlich, alles das findet sich in diesem Fantasyband verwoben.

Nicht zu unrecht behauptet sein Held, der bettelarme Student Kvothe, eben nicht in einer Geschichte zu leben. In seinem Leben geht es ganz und gar nicht sagenhaft zu, obwohl er an einer uralten, labyrinthischen Universität eingeschrieben ist. Da ich das nicht treffender formulieren kann als der Autor, schließe ich mit einem Zitat:

Zauberei wie aus dem Märchen hin oder her – ich war nicht sonderlich erpicht darauf, bei einem Manne zu studieren, dessen erste Lektion mir drei Rippenbrüche, eine Gehirnerschütterung und eine eingerenkte Schulter eingetragen hatte.

Patrick Rothfuss

Die Königsmörder-Chronik, Band 2

„Die Furcht des Weisen 1“

Klett-Cotta ISBN 978-3-608-93816-6, 859 S., 24,95 €

Vier Jahre nach seinem gelungenen Debüt (2008 „Der Name des Windes“) liegt endlich die Fortsetzung auf dem Tisch. Ich hatte fast ein wenig Angst, nunmehr enttäuscht zu werden – was zum Glück nicht passiert ist. Im Gegenteil fiebere ich bereits jetzt darauf, mich im Januar 2012 tiefer in die Geheimnisse („Die Furcht des Weisen 2“) versenken zu können.

Dabei hatte sich Patrick Rothfuss für eine Erzählperspektive entschieden, an der schon viele gescheitert sind: der gealterte, desillusionierte Protagonist erzählt in der Rückblende seine Erinnerungen. Zuhörer sind ein Schankgehilfe, der in Wirklichkeit so etwas wie ein bocksbeiniger Elbenprinz zu sein scheint und eine Art antiker Paparazzo. Der sogenannte Chronist ließ nichts unversucht, den ebenso sagenhaften wie verrufenen, unter Todesstrafe stehenden Magier Kvothe aufzufinden. Kaum hat er diesen in seiner Tarnung als Gastwirt Kote aufgespürt, wird das abgelegene Dorf schon von Monstern heimgesucht.

Beide Handlungsebenen werden vom Autor äußerst gekonnt ausbalanciert. Bald kommt eine dritte hinzu: Kvothes Stamm, eine Gruppe der Edema Ruh (fahrende Schausteller), wurde einst von den Chandrian ausgelöscht, weil seine Eltern „das falsche Lied gesungen haben“. Nachdem das Straßenkind nur mit viel Glück überleben, an die Universität von Imre gelangen konnte, beweisen seine Forschungen, dass diese Bedrohung bereits viele Jahrhunderte alt sein muss. Offensichtlich haben diese Feinde eigene Widersacher: die von der Tehlaner-Kirche geächteten Amyr. Die Suche nach überlieferten Quellen und Volkssagen, die sich auch gerne einmal widersprechen, faszinierte mich als Leser zusätzlich.

Der bettelarme Student kämpft Trimester um Trimester um sein Auskommen. Dabei gerät er in die Klauen eines Kredithais. Verschlimmert wird seine Lage durch die Fehde mit Ambrose, dem hochadligen Kommilitonen. Kvothe ist nur versehentlich hineingerutscht, unglückliche Umstände, unversöhnlicher Hass, die „besten“ Absichten von Lehrern und Mitstudenten halten die Mobbingsituation am Laufen. Wie Rothfuss eindrücklich zu schildern versteht, sind solche Konflikte einfach nicht zu gewinnen.

Das alles ist wirklich erstklassiger Lesestoff, sowohl spannend als auch humorvoll dargebracht. Und obwohl die Fantasywelt mittlerweile an Universitäten fast so reich wie an Königsschlössern ist, behauptet die Alma Mater von Imre ihren Platz in meiner Gunst uneingeschränkt neben der Unsichtbaren Universität von Ankh-Morpok. Schon allein das Unterding und das Refugium… die dichten Schilderungen aus den Werkstattbereichen und der Mediho… muss man gelesen haben.

Doch Rothfuss´ Schenken, behaupte ich, ob „Wegstein“, „Anker“ oder „Eolion“, sind noch besser. Und neben Magiern, Dirnen und Adligen beglückt uns der Autor mit einer völlig neuen Fantasygestalt: dem Kessler.

Ich liebe es.

Patrick Rothfuss

Die Königsmörder-Chronik, Band 3

Die Furcht des Weisen 2“

Klett-Cotta ISBN 978-3-608-93926-2, 523 S., 22,95 €

Zunächst einmal ein paar Pressestimmen:

„Ich spreche von echter Magie, Magie, wie Fantasy-Leser sie von Tolkien, J.K. Rowling oder Cornelia Funke kennen. Sollten Sie diese Art von Magie in Ihrem Alltag gerade vermissen, dann habe ich genau das Richtige für Sie: „Der Name des Windes“, ein exzeptionell intelligenter Fantasy-Roman von Patrick Rothfuss. …
… Das ist der Ausgangspunkt eines Romans, der mitreißend neu uralten Zauber wirkt. Für mich ist „Der Name des Windes“ die überzeugendste Fantasy seit Tolkiens „Der Herr der Ringe“, Roman von Musik und Magie, der sich wie eine Kreuzung aus Bob Dylan und Jack Vance liest. Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Patrick Rothfuss´ „Der Name des Windes“.“ (ARD, druckfrisch, 5.10.2008)

Es gibt tatsächlich Bücher, die man nicht genug loben kann. Allerdings kann man auch noch etwas viel Besseres damit tun: sich hinzusetzen und sie in einem Rutsch verschlingen, wie ich es heute mit dem dritten Band der „Königsmörder-Chronik“ gemacht habe.

Ich bin nicht enttäuscht worden, es sei denn, von der Seitenzahl. Der Verlag hat Kvothes Erzählungen vom „zweiten Tag“ in ungleiche Bände aufgeteilt – dies ist der dünnere davon. Doch es ist wieder jede Menge los und jeder Satz ist ein Vergnügen. Unser Zauberlehrling trifft auf die Männerverschlingende schlechthin und lernt zwei absolut tödliche Bäume kennen. Einer davon spricht stets die Wahrheit, mit den übelsten Absichten.

Dem Protagonisten gelingt es, dies alles zu überleben, dem Autor, uns dies alles schlüssig zu schildern – ganz großes Kino. Und während sich das gealterte und desillusionierte Alter Ego des Helden zur Nacht rüstet, bleibt der Leser fingernagelkauend zurück, um auf den Fortgang der Geschichte zu lauern.

Wie gemein! Wie wunderbar!

Patrick Rothfuss

Die Musik der Stille

Gebundene Ausgabe: 173 Seiten

  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2., Aufl. (21. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608960201
  • ISBN-13: 978-3608960204
  • Originaltitel: The slow regard of silent things

 

Wie man sieht, könnte sich der US-Amerikaner Patrick Rothfuss jederzeit als Lehrer in Hogwarts bewerben. In Anno Domini 2007 zählte er gerade mal 35 Jahre. 14 Jahre davon hatte er am 1. Band seiner Königsmörder-Chronik gearbeitet. Dann wurde er entdeckt und reihte sich zügig ein in die Liga der Autoren, deren Leser, ständig unbefriedigt, nägelkauend auf das nächste Buch warten. Wenn diese Jungs nur nicht alle so gut wären… sollte man sie meiner Meinung nach auf den Mond schießen.

So ist es wohl als Verzweiflungstat zu werten, dass seine Verleger nun auf eine kurze Novelle rund um das Mädchen Auri zurückgreifen. Tatsächlich warnt der Autor selbst in der „Nachbemerkung“ zu vorliegendem Buch seine Leser vor Enttäuschung.

Doch so schlimm kommt es dann doch nicht. Mir hat das schmale Bändchen ausgesprochen gut gefallen! Die halb verfallene und immer wieder neu überbaute „Unsichtbare Universität“ ist ein faszinierender Ort. Auch erweist sich die Prosa des Autors als so fein gewoben, dass selbst aus der Herstellung von Seife ein Fantasymärchen wird.

Für Auri ist alles beseelt… und die Welt genauso wie sie sein sollte. Das sind schöne Gedanken! Die Geschichte erinnert mich an Patricias A. McKillips „Schatten über Ombria“. Auch den Fans von John Crowley (Little big oder das Parlament der Feen) lege ich sie ans Herz.

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