Patricia A. McKillip… und sonstige Reminiszenzen im Juli 2015

Ich höre immer wieder die Klage, meine Texte seien zu kurz gefasst. Und tatsächlich bin ich auch „in Natura“ kein geschwätziger Mensch. Ich twittere nicht und mein Handy, ein uralter Knochen, wartet abgeschaltet in der Schublade auf den eigenen Notfall. Tritt er (manchmal auch sie) dann ein, – was nur menschlich ist -, versuche ich stets zunächst aus eigener Kraft „das Leben bei den Hörnern zu packen“, bevor ich andere mit Beschlag belege.

Ich mag es, still zu lauschen. Und lese sehr viel müheloser, als dass ich schreibe. Trotzdem fiel dem Universums nichts Gescheiteres ein, als mich zur Schriftstellerin zu berufen… Seit vierzig Jahren bombardiert es mich – in rücksichtsloser Weise, wie ich finde – mit Inspirationspartikeln. Und die drängen danach, in Geschichten gefasst zu werden. Doch wo mein lieber Freund Uwe Lammers freudig 20.000 Seiten produziert, ringe ich um gerade mal 2000. Und hoffe nun, dass meine Elektron-Saga genau die richtige Anzahl von Wörtern besitzt. Vier weiteren „Geschichten aus dem Wintergarten“ gehe ich seit dem Januar diesen Jahres aus dem Wege. Sinnlos, das ist mir schon klar. Trotzdem habe ich wohl ein wenig Erholung verdient. Der Sommer ist nicht die Jahreszeit für den Schreibtisch und das Leben allemal der Kunst vorzuziehen!

So, es ist passiert: Thema verfehlt. Also vollziehe ich den Schwenker zurück. Ich finde nicht, dass ein Bericht (über einen Con, z.B.) dieses Ereignis gleich ersetzen muss. Zuverlässig kann ich ohnehin nur über jene Aspekte berichten, an denen ich teil hatte.

Genauso wenig sollen meine Rezensionen den Lesegenuss ersetzen. Ich beabsichtige niemals, eine Abhandlung zu liefern, sondern will euch neugierig machen!

Heute bezieht sich dies auf Patricia A. McKillip… gottlob bevor die am  29. Februar 1948 in Salem (Oregon, USA) geborene Autorin reif für einen Nachruf ist. Ich mag sie wirklich und leider scheint es ja so, als habe Terry Pratchett eine Menge Einladungen zum „Ewigen Con im Jenseits“ unter seinen Künstlerkollegen verteilt.

25Laut wikipedia verbrachte die Autorin einen Teil ihrer Kindheit in England und Deutschland, da ihr Vater dort zwischen 1958 bis 1962 als Air Force-Offizier stationiert war. Mit 14 Jahren begann sie zu schreiben, doch erst 1973, als sie ihren Magister für englische Sprache und Literatur an der San Jose University machte, veröffentlichte sie ihre ersten Werke, „House on Parchment Street“ und „The Throne of Erril of Sherril“.

Es heißt, zwischenzeitlich habe sie auch als Konzertpianistin gearbeitet. Tatsächlich wird ihre enge Beziehung zur Musik immer wieder in ihren Geschichten deutlich. Zurzeit lebt sie mit ihrem Ehemann David Lunde, einem Dichter, in Roxbury, einer kleinen Stadt in den Catskill Mountains, New York.

Dieses Photo ist sicherlich älter als das Jahrhundert. Doch Abbildungen der Autorin sind im Netz rar, bei den neueren fehlten Hinweise auf freie Verfügbarkeit.

51bUdLMLBrL._SY254_BO1,204,203,200_Ebenso „antik“ sind die nun folgenden Besprechungen. Sie schöpfe ich aus dem Fundus von Solar-X, mit lieben Grüßen an den damaligen Herausgeber, Wilko Müller jun.
Die Erdzauber-Trilogie 

(1986, Heyne 24208, 12,90 DM) 

Teil 1 : Die Schule der Rätselmeister (24727)

Beim Wiederlesen (auch schon eine Weile her) missfiel mir diesmal die gnadenlose Art, in der McKillip ihre Leser in ihre Welt hineinstößt – nicht gerade der beste Romananfang aller Zeiten und so quält man sich erst ziemlich, bis man herausgefunden hat, wo man sich befindet… in „den sechs Königreichen… von denen Hed das einzige ist, in dem niemals ein Zauberer Dienst gesucht hat – es gab dort nichts für sie zu tun. Der Zauberer Talies besuchte es einmal und sagte, es wäre unbewohnbar: Es wäre ohne Geschichte, ohne Lieder und völlig ohne Interesse. Der Frieden von Hed geht wie die Landherrschaft … über, er ist an die Erde von Hed gebunden…
Das gilt, bis die Landherrschaft durch ein Schiffsunglück des königlichen Paares an ihren Sohn Morgon übergeht, der ein seltsames Geburtsmal in Form von drei Sternen trägt. Der schon als Kind so wißbegierig war, daß man ihn auf die Schule der Rätselmeister gab. Der sich im Schmerz über den Tod seiner Eltern auf den schwersten Rätselwettbewerb seiner Welt einläßt, dabei die Krone eines gespenstischen Königs und die Hand einer Prinzessin gewinnt, die ein paar Klassen zu schön für sein bäuerliches Inselreich ist… und als Folge all dieser Ereignisse auf Wanderschaft geht, ausgerechnet mit dem unsterblichen Harfner des Erhabenen… welcher seinerseits nicht weniger ist als der Vatergott seiner Welt, spür- und sichtbar gegenwärtig im Erlenstern-Berg, wie einst Zeus auf dem Olymp – glaubt man.
In dieser Welt wimmelt es von Gestaltwandlern, es gibt jede Menge Magie, Morgon z.B. lernt, ein Baum zu sein… „Ein Wissen ohne Worte durchpulste ihn von zeitlosem Alter, von grimmigen Stürmen, vom Beginn und vom Ende der Jahreszeiten, von einem geduldigen, ruhigen Warten auf etwas, das tiefer lag als Wurzeln, das tiefer als das Herz des Berges Isig in der Erde schlief, das eben zu erwachen begann…„.
Letztendlich ist diese Saga, auch wenn sie weder von der Form her noch literarisch perfekt ist, völlig zu recht ein Klassiker. Sie hat viele liebenswerte Details, einen feinen Sinn für Humor und langweilt niemals.
Hat man sich erst einmal eingelesen, kann man nicht genug davon bekommen.

Teil 2 : Die Erbin von Wasser und Feuer (24728)

Nicht ganz so spannend wie Teil 1, was aber daran liegen kann, dass ich die Geschichte ja schon kannte. Weiterhin sucht alles nach der Lösung der Rätsels aus Bd. 1: „Wer ist der Sternenträger, und was wird er befreien, was gefesselt ist? Was wird ein Stern aus der Stille rufen, ein Stern aus der Dunkelheit und ein Stern aus dem Tod? Wer wird am Ende der Zeit kommen und was wird er bringen? Wer wird die Harfe der Erde zum Klingen bringen, die seit den Anfängen stumm ist? Wer wird Sterne aus Feuer und Eis bis zum Ende der Zeiten tragen?“
Mittlerweile gilt Morgon von Hed als tot, da die Landherrschaft (ein sehr keltisches Gefühl) an seinen Bruder Eliard übergegangen ist. Die Prinzessin von An, Rendel, die Morgon schon seit der Kindheit kannte und ihm durch Rätselgewinn anverlobt wurde, setzt sich auf die Spur ihres flüchtigen Bräutigams. Unterwegs stoßen zu ihrer Verstärkung Tristan, Morgons kleine Schwester, und Lyra, die Landerbin von Herun, inklusive (weiblicher) Leibwache. Thod, der Harfner des Erhabenen (Liebhaber von Lyras Mutter El, vielleicht ist Lyra sogar seine Tochter, das wird nicht so klar) gilt mittlerweile als vogelfreier Verräter. Rendel erfährt, daß das Gestaltwandler-Erbe in ihrer eigenen Familie stark fließt. Kurz vor dem Erlenstern-Berg erfahren die drei, daß Morgon ein Jahr der schlimmsten Gefangenschaft beim Zauberer Ghisteslohm überlebt hat, sich nach wie vor auf der Flucht befindet und Thod Rache geschworen hat.
Dieser Band kommt, ebenso wie die Königstochter Rendel, erst im letzten Drittel in Fahrt, dann aber richtig. So sehr, daß es nicht einmal die Toten in ihren Gräbern mehr hält, wortwörtlich:… „und andere, lauter Könige… Sie sah sie selten; doch spürte sie sie um sich herum, spürte ihre Gedanken, die sich in einem Netzwerk von Sagen, Legenden, Verschwörungen, Erinnerungen an Hel zu ihren Lebzeiten und nach ihrem Tode verflochten. Sie waren immer noch an die Erde von An gebunden, stärker, als sie es selbst gewahr waren; ihr Geist wandelte leicht zwischen den verschiedenen Gestalten, mit denen ihre Gebeine sich verwoben hatten; Wurzeln, Blätter, Insekten, die kleinen Körper toter Tiere. Durch dieses tiefe, wortlose Wissen um An würden sie den Sternenträger erkennen, den Mann, dessen Gestalt nichts vom Wesen Ans barg.

Teil 3 : Harfner im Wind (24726)

Zweifellos das Sahnestück der Trilogie, auch ein wenig umfangreicher als die beiden anderen Teile. Hier hat sich McKillip endlich Personae und Welt zu eigen gemacht, die Geschichte fließt frei, reißt mit.
Es wäre zu schade, die Auflösung des Plots zu verraten, nur soviel: die Beziehung zwischen Rendel und Morgon gestaltet sich explosiv, entsprechend den rasch wachsenden übersinnlichen Kräfte der beiden. Auch kommt es noch zu einem weiteren – überraschenden – Showdown zwischen Harfner und Sternträger. Das Ende ist wirklich „göttlich“…. daher ein letztes Zitat 10 Seiten davor:
…sie (die Winde) stoben die Heere vor sich auseinander wie Spreu. Reiterlose Pferde jagten vor ihnen her. Tote zerschmolzen in Erinnerung; Schilde wirbelten wie Blätter durch die Luft; Männer und Frauen lagen auf der Erde und versuchten, kriechend, den Winden zu entkommen. Selbst die Erdherren wurden in ihrem Ansturm aufgehalten; gleich, welche Gestalt sie annahmen, gegen die Winde konnten sie nichts ausrichten.

781124Schatten über Ombria
2002, Klett-Cotta ISBN 3-608-93201-1

Ombria in Shadow, übersetzt von Hans J. Schütz, 300 Seiten, 18 Euro

 
Die Autorin wurde mit dem begehrten World Fantasy Award ausgezeichnet, berichtet der Schutzumschlag. Von ihr erschien bereits bei Klett-Cotta „Das Lied des Basilisken“. Vielleicht besorge ich mir dieses Buch noch, den der Stil der Autorin gefällt mir außerordentlich. „Luzide Prosa“ nennt ihn der „Locus“, das heißt in etwa „klarträumerisch“, zumindest wäre das für mich der passende Ausdruck dafür.
Übersetzer war der bewährte Hans J. Schütz – doch hat er sicherlich nicht den Klappentext verfasst, welcher leider wieder einmal den Buchinhalt auf höchst eigenartige Weise verdreht. Ist sonst nicht der Stil Klett-Cottas, zumal der Band ansonsten genauso liebevoll gestaltet daherkommt, wie ich es von dem renommierten Fantasy-Verlag gewohnt bin.
Nein, mein „lieber“ Klappentexter: in dieser Geschichte geht es keinesfalls um Hexen. McKillip selbst verwendet diesen Ausdruck kein einziges Mal. Er passt einfach nicht: selbst wenn sie sich mit Taschenspielertricks, kleinen Zaubereien abgibt, ist Faey eine Urgewalt, weit eher eine Göttin, die verkörperte Naturgewalt. Und ebenso wenig ist die zweite Protagonistin, Schwarze Perle, die Regentin, eine Gegenspielerin. Statt dessen sind die beiden Geschäftspartnerinnen, ziehen an einem Strang, durch die Jahrhunderte der alten Stadt Ombria – die vielleicht sogar Jahrtausende sind.
Kein Kampf zwischen diesen beiden; trotzdem häufen sich Grenzverletzungen, tauchen Veränderungen auf, beginnt eine Umwälzung im Gefüge der Realität – die mensch schon selber lesen muß, denn mehr werde ich hierzu nicht verraten.
Eine faszinierende Geschichte. Ich habe sie an einem Tag verschlungen – und dann reuelos zum zweiten Mal durchgelesen, weil leider die erste Version dieser Besprechung auf dem Datenhighway verlorenging – irgendwie passend, münden doch auch in Ombria selbst alle Wege im Schatten.
Lydea, die Geliebte des verstorbenen Königs, pflegte Kyel, dem kleinen Thronerben, mit der Hilfe eines doppelseitigen Fächers vom Schatten über Ombria zu erzählen, dem Gegengewicht, Ausgleich zu seiner sichtbaren Heimatstadt – zu betreten absichtlos oder von Auserwählten. Und schon bald ist Lydea selbst gezwungen, sich zu verändern – einmal, um ihr eigenes Leben zu retten, ein zweitesmal, um Kyel gegen die Schwarze Perle beizustehen.
Faeys „Wachsling“ Mag, Zauberlehrling und ein Irrwisch von einem Mädchen, entdeckt dabei ihre Menschlichkeit. Ducon, Bastard des Königshauses (und kein Fremder, wie im Klappentext) muß endlich von seinen Zeichenblättern aufschauen, um Partei zu ergreifen. Ausgerechnet das Krötengift, das ihn töten soll, führt ihn auf die Spur seiner eigenen Geschichte.
Ich liebe McKillips Auffassung von Magie, all diese sich kreuzenden Schatten. In meiner Vorstellung hat die Stadt Ombria Straßen und Häuser, wie ich sie in der Altstadt von Istanbul gesehen habe: versinkend unter der Last von Geschichte. Vielleicht sind auch dort, noch unter dem Touristengewimmel des halbversunkenen Basars byzantinische Straßen, verborgene Säle, flüsternd vom raschen Tod durch einen Dolch, qualvollen Schmerzen durch Gift (und umgekehrt). Vielleicht ist es wirklich nur der Schatten über all diesen uralten, noch lebendigen Städten – Rom, Paris, Venedig, Peking, Prag – der unsere Realiät im Gleichgewicht hält. Noch unter dem Eindruck dieser Stunden über McKillips Buch bin ich fast bereit, das zu glauben – fast.

51CNEg++8KL._SX315_BO1,204,203,200_Das Lied des Basilisken
(Song for the Basilisk, © 1998, aus dem Amerikanischem übersetzt v. Hans J. Schütz, 318 Seiten, 20 Euro, Klett-Cotta ISBN 3-608-93221-6)

Seit dem „Schatten über Ombria“ war ich sehr gespannt auf Patricia A. McKillips nächstes Buch. „Das Lied des Basilisken“ hat mich in jeder Hinsicht zufriedengestellt. Und doch bleiben da ein paar Bedenken… Wieder ist es eher ein dünnes Buch und wieder ist die Sprache sehr dicht. Geradezu verdichtet – jeder Satz hat sein Gewicht und jedes Wort sitzt. Das ist große Kunst und doch ähnelt es dadurch mehr einer Ballade als einer Geschichte. Besonders der Anfang ist äußerst dunkel; Tolkienleser werden hier eher Einlass finden als Fans von Zimmer Bradley. Was nicht heißt, dass McKillips Sprache der von J.RR. im geringsten ähnelt; sie verfügt über ihre ureigene Musik.
Und Musik spielt in dieser Geschichte eine große Rolle. Sie schenkt die Kraft zum Überleben, bringt verschüttete Erinnerungen zurück. Sie ist die Quelle uralter Magie – und letztendlich tötet sie auch. In der Fantasy ist dies kein unübliches Thema – aber kein Autor hat es jemals so meisterhaft umgesetzt (es sei denn, ich kenne das Buch nicht – wenig wahrscheinlich).
Wie gesagt, das erste Kapitel des Buches ist sperrig und nur schwer verständlich; und doch wird dem Leser schnell klar, dass es nicht anders erzählt werden kann. Denn es ist ein Kind, das diese äußerste Todesangst erleiden muss. Begraben unter der Asche eines Kamins sieht Greif Tormalyne zu, wie seine gesamte Familie auf entsetzliche Weise hingeschlachtet wird. Und wie jedes Kind, dem etwas zustößt, fühlt er sich schuldig, weil sein Freund, nur weil er gerade mit Greifs Hund spielte, an seiner Stelle stirbt. Später bringen Untergrundkämpfer den letzten Überlebenden ihres Herrscherhauses außer Landes; als Rook Caladrius wächst er bei den Barden von Luly, am Rand jeder Zivilisation auf.
Die Stadt Berylon (durchaus eine Schwester Ombrias) wurde vor der Machtergreifung des Basilisken, Wappentier des Hauses Pellior, gemeinschaftlich durch die Aristokraten der Familien Tormalyne (Greif), Iridia (Schimäre) und Marcasia (Wappentier Phönix) regiert; lange mutet es seltsam an, dass Arisio Pellior, der Basilisk des Buches, nur das Haus von Raven Tormalyne so abgrundtief haßt, dass er noch entfernte Verwandte töten lässt und selbst seine Bastarde verfolgt, während er Iridia und Marcasia nur entwaffnet und unterwirft.
Rook Caladrius fühlt keine Sehnsucht nach Berylon, seine Erinnerung an die Gräuel des Basilisken kehrt erst zurück, als dieser sein Feuer nach Luly trägt. Um seinen Sohn Hollis zu retten, nimmt Greif den Kampf auf – mit den Mitteln der Musik und der Magie der Hinterlande.
Mit diesen paar Sätzen ist wenig von McKillips vielschichtiger Ballade verraten. Jede Strophe, will sagen Kapitel, ist für eine Überraschung gut. Wie schon im „Schatten über Ombria“ kommt die Schlusspointe völlig unerwartet und ist doch von langer Hand vorbereitet: Basilisken töten mit ihren Augen; und es sind Augen wie die seinen, welche Arisio Pellior verraten und besiegen.

51WH91DK0NL._SX328_BO1,204,203,200_Winterrose (Piper-Fantasy, TB 6509, ISBN 3-492-26509-X)

Winter Rose“, Ace-Books 1996, übersetzt von Anne Löhr-Gößling

317 Seiten, 8.90 €

2003 erhielt ich erneut Gelegenheit, ein Buch der von mir geschätzten Autorin zu besprechen. Ich gestehe gern, dass ich dabei mal wieder an meine Grenzen stieß: ihre Titel sind immer kleine Schwergewichte, durch die Dichte ihrer Prosa ebenso schlicht wie komplex.

Wer das Numinose, die Ahnung des Göttlichen, nicht mag, lässt besser die Finger davon. Meiner Meinung nach verrät Patricia McKillip in „Winterrose“ mehr über die dreifaltige Große Mutter der Kelten, als Jean Markale auf zehntausend Seiten. Mich hat dies durchaus begeistert… trotzdem quälten mich hin und wieder Bedenken, dass die Autorin nun die Balance verliert, sich im „Nicht-mehr-lesbaren“, Unverständlichem, verliert.

Ghu zum Lobe stößt Patricia McKillip nichts dergleichen zu. Dafür allerdings ihrer Protagonistin Laurel, Schwester der „Winterrose“…

Ein fluchbeladener Fremder kommt in ein Dorf und zwei Schwestern verlieben sich in ihn. So, wie die Autorin die Dinge beschreibt, gleichzeitig üppig und äußerst sparsam, kann diese Geschichte zu allen Zeiten spielen, von der frühen Bronzezeit bis hin zum 19. Jahrhundert, in Europa oder auf dem nordamerikanischen Kontinent. Religion wird nicht benötigt. Und es ist höchste Fantasy, nah am Horror, ohne Helden, ohne Burgen, ohne Monster: der Wald, im Winter unbezwinglich, ist eine wahrhaft zeugende Kraft. Die Liebe ist wie der Tod. Und Mütter sind so eine Sache… Wie viele von uns wissen: manchmal vermachen uns die Eltern mehr, als wir ertragen können.

Erneut gleicht McKillips Geschichte einem epischen Gedicht, nicht ohne Humor. Weil es so schön war, las ich es gleich zweimal an einem Tag. Doch mehr davon erzählen, möchte ich trotzdem nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.