Jennifer Roberson – die Cheysuli-Saga

Cheysuli

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Jennifer Roberson – die Cheysuli-Saga

Es ist schon verrückt, was unser Erinnerungsvermögen in nur einem Jahrzehnt anzurichten vermag. Ich jedenfalls nahm jahrelang an, dass C.J. Cherryh (Caroline Janice Cherry, 1. September 1942) auch Fantasyromane verfasst hätte. Gerne hätte ich diese noch einmal gelesen, denn ihr Chanur-Zyklus, reinste SF, gefiel mir sehr gut – nur fand ich ihn viel zu kurz:

.Das Schiff der Chanur. 1984 (The Pride of Chanur. 1981/1982) ISBN 3-453-30981-2

Vermutlich hätte ich in diesem Irrtum verharrt, doch, Ghu zum Lobe, veranstaltete die Stadtbücherei Recklinghausen im letzten Monat einen Flohmarkt. Dort erwarb ich, in der Ausgabe der 00-Jahre für jeweils 1 € 4 dicke, gut gebrauchte Bände – von Jennifer Roberson. Diese wurden im Verlauf von 10 Tagen (Urlaub) mit wachsender Begeisterung wieder gelesen. Trotzdem brachte ich zum heutigen Tage immer noch die Cheysuli mit den Chanur durcheinander. Genau, wovor mich meine gute Mutter immer zu warnen pflegt (Zitat Queen Mum: „Dauernd zu lesen verwandelt dein Gehirn in Obstsalat“). Ich muss sagen, das finde ich außerordentlich lustig.

Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten zwischen beiden hypothetischen Rassen höchst marginal. Chanur zeigen sich ausgesprochen katzenähnlich, Cheysuli verwandeln sich gerne in solche. Genau so häufig darf es aber auch Raubgeflügel sein… Beide zählen zu den Humanoiden, wobei nur letztere, gemeinsam mit ihren Todfeinden, den Ihlini, eine Abart der Spezies „Homo dingens“ bilden. Gleich den Neandertalern haben sie kaum Probleme, Kinder mit dem „Mehr oder weniger Sapiens“ zu zeugen oder zu gebären. Und hierum dreht sich Robersons Saga hauptsächlich.

Es spricht sehr für das Können der Autorin, dass dabei trotzdem eine spannende, bunte, lebenspralle Geschichte herauskommt: Intrigen und Magie, verwunschene Schlösser, edle oder schurkische Wilde, schwafelnde Propheten, tragische Könige, rachsüchtige Götter. Als typisch amerikanisch fiel mir lediglich auf, dass die Maiden, ob Hure, Hexe, Heilige, Hauptfrau oder Kriegerin, stets äußerst lange Haare besitzen (wie überaus lästig). Trotzdem gibt es jede Menge außerehelichen Sex, wenn auch weitgehend diskret angedeutet. Die Geschichte stammt nun einmal aus den 90ern, Leser müssen dies bedenken. Kleinere „Längen“ und Wiederholungen in den Einzelromanen wurden einfach überblättert. Ohnehin werden sie von Jennifer Roberson stets durch Humor und gelungene Spannungsbögen wieder wett gemacht. Nicht zuletzt stammt der vorzügliche Schwerttänzer-Zyklus (von mir 2x vor der Jahrhundertwende gelesen) ebenfalls von dieser Autorin (was ich natürlich auch vergessen hatte).

Ebenso gut gelöst wie beschrieben die Verwandlung der Cheysuli in ihr geweihtes Tier. Sie erfordert Konzentration und Disziplin, um nicht als Bestie zu enden. Mann oder Frau versinken in der Erdmagie, die den menschlichen Körper nebst Kleidung, Waffen und Ausrüstung annimmt (alles mit Hautkontakt). Die Erde selbst gibt dann den reinen Falken, Wolf, Feliden (oder eine der vielen anderen Erscheinungsformen) zurück, beseelt mit menschlichem Geist und vollem Gedächtnis. Erwachsene Cheysuli treten meist im Doppelpack auf, begleitet von einem regelrechten (so geborenen) Tier ihrer Art. Dieser Bund ist nicht nur telepathisch, sondern gilt auf Leben und Tod. Wobei der Vertreter der Fauna seine Lebenszeit dem Partner anpasst. Wird das Wesen („Lir“) aus irgendwelchen Gründen (Krankheit, Angriff) vor ihm getötet, verliert der Mensch den Verstand, es gibt keine Rettung. Dieses Verhängnis schwindet mit dem Wiedererstarken „alten Blutes“. Seine Vertreter können sich mit allen „Lirs“ verbinden.

Ihlini wiederum schöpfen ihre Macht aus dem dunklen Gott Asar-Suti, einem großen Freund des Schwefels… Trotzdem sind sie zwar alle bleich, doch längst nicht alle böse (aber wenn, dann so richtig). Für den frühen Entstehungszeitraum der Saga ungewöhnlich, wird Schwarz-Weiß-Malerei gänzlich vermieden.

Cheysuli-Zyklus (Chronicles of the Cheysuli), kurze Zusammenfassung der Rez.

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  • B: The Song of Homana, 1985
  • Band 2: Das Lied von Homana, Heyne, 1996, ISBN 3-453-12162-7

Sammelband von 2005: DÄMONENKIND

A: Eigentlich möchte Alix nur ein wenig mit dem Thronerben von Homana schäkern – für die angebliche Pächterstochter mutig genug. Doch schneller als ihr lieb ist, hat sie sich mit ganz anderen Problemen auseinander zu setzen. Von den geächteten und zur Ausrottung freigegebenen Cheysuli entführt, wird sie zum Spielball zwischen den Brüdern Finn und Duncan.

B: Aus der Ich-Perspektive Carillons geschrieben, des Erben von Homana. An ihm ist es nun, seinen verblendeten Onkel (Mujhar oder König) zu entmachten und das vom Bürgerkrieg zerrissene Land zu heilen. Dabei steht ihm der Cheysuli Finn zur Seite.

  • A: Legacy of the Sword. 1986
  • Band 3: Das Vermächtnis des Schwerts, Heyne, 1997, ISBN 3-453-11982-7
  • B: Track of the White Wolf, 1987
  • Band 4: Die Fährte des weißen Wolfs, Heyne, 1997, ISBN 3-453-11983-5

Sammelband von 2008: WOLFSSOHN

A: Carillon, der Mujhar, regiert weise. Doch die Nachbarstaaten überziehen ihn mit Krieg, die Bevölkerung von Homana hält an den alten Vorurteilen fest. Donal, Sohn des Cheysuli Duncan von Alix, muss sich erstmals mit der dunklen Magie der Ihlini auseinander setzen. Das ebenfalls magisch begabte Brudervolk ringt mit derselben Prophezeiung – doch auf völlig andere Weise.

B: Niall, der Sohn von Donal und der erinnischen Prinzessin Aislinn, leidet darunter, ein Halbblut zu sein. Muss er sein Leben tatsächlich ohne Lir zubringen? Wieder mit jeder Menge Ihlini-Intrigen.(Ich-Perspektive)

  • A: A Pride of Princes, 1988
  • Band 5: Die Ehre der Prinzen, Heyne, 1997, ISBN 3-453-11984-3
  • B: Daughter of the Lion, 1989
  • Band 6: Die Tochter des Löwen, Heyne, 1997, ISBN 3-453-12874-5

Sammelband von 2008: TOCHTER DES LÖWEN

A: Um prophezeiter Blutlinien willen war König Niall gezwungen, eine Wahnsinnige zu heiraten, die von Ihlini erzogen worden war. Gisella von Atvia ist nun verbannt, doch er muss sich mit ihren Zwillingen Brennan und Hart, Corin und Keely herumschlagen. Dieser Band enthält ein paar der – meiner Meinung nach – gelungensten Kneipenschlägereien der Fantasy.

B: Keelys Geschichte (Ich-Perspektive)

  • A: Flight of the Raven, 1990
  • Band 7: Der Flug des Raben, Heyne, 1997, ISBN 3-453-12681-5
Sammelband von 2008: KIND DES RABEN
A: Aidan, Prinz von Homana wird äußerst kränklich geboren. Nach einer zweiten, missglückten Schwangerschaft bleibt seine Mutter unfruchtbar. Ohnedies würden ihn Fanatiker unter den Cheysuli wie unter Homanern gerne übergehen. Mit viel Glück wächst er heran, leidet jedoch unter Alpträumen und Migräne… bis sich seine wahren Gaben zeigen, ein Erbe von Erinn.
B: Der Titel des Sammelbandes hätte besser gewählt werden können, denn wie man oben sieht, spielen Löwen in den beiden Geschichten prominente Rollen. Kellin, Aidans Sohn, hat wirklich große Angst vor ihnen. Gleichzeitig ist er eine wilde Range, die sich weder von Steppenkriegern noch Traditionen maßregeln lässt. Dass ausgerechnet er die Prophezeiung zu Ende zu führen soll, sieht er schon gar nicht ein. Er weigert sich, den Bund mit einem Lir einzugehen, wandert lieber auf den Spuren Harts, vergeudet seine Kraft in Kneipen und Bordellen. Doch Valgaard, die Heimat der Ihlini und Asar-Sutis, wartet…
Interessant erscheint mir noch, dass auf der Homepage der Autorin die Bände 9 bis 11 angekündigt worden sein sollen. Ich habe das nicht selbst überprüft. Doch angesichts des anhaltenden Interesse erscheint dies möglich, würde von meiner Seite begrüßt werden. Die Handlung soll sich aus Ereignissen speisen, die zwischen den originalen 8 Bänden der Reihe angesiedelt wurden.

Quelle wikipedia:

Jennifer Mitchell Roberson O’Green (* 26. Oktober 1953 in Kansas CityMissouri) ist eine US-amerikanische AutorinJournalistin und Historikerin.

 

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