In memoriam Claudia Lössl (14.04.1975 – 05.12.2015)

In memoriam Claudia Lössl (14.04.1975 – 05.12.2015)

Gleich vorab das Geständnis: ich habe sie weder gekannt, noch zu ihren Lebzeiten eines ihrer Bücher gelesen. Und doch schreibe ich nun diesen Text aus einer tiefen Faszination heraus. Aileen P. Roberts oder C.S. West (wie sie sich nannte, wenn sie als Autorenduo mit ihrem Mann Stephan auftrat) wurde nur 40 Jahre alt. Wer das hört, fragt sich automatisch, was dieses so blühend scheinende Leben ausgelöscht haben mag: Verbrechen? Unfall? Krankheit? Das ist jedoch schwer herauszufinden – und oftmals sind die Grenzen fließend.349ebd09-2788-4482-b6be-342176e31606

Allerdings fand ich im Zuge beharrlichen Suchens im Internet zusammen mit der oben dargestellten eine englischsprachige Annonce. In ihr ist die Rede von der „low road“. Den Rest wage ich zu denken. Und so erinnere ich mich ihrer als tapfere Kriegerin, die, wie es auch mir fast geschehen, dazu im gleichen Alter, von der Übermacht gestellt wurde.

Hier kommt sie selbst zu Wort (daisyandbooks, Febr. 2015): „Nach zahllosen Umwegen und einer abgebrochenen Banklehre (das war wirklich nicht mein Ding!) studierte ich Sozialpädagogik und arbeitete später auch als Reitlehrerin und Reitpädagogin. Mit 19 Jahren reiste ich zum ersten Mal nach Schottland und entdeckte dort meine keltische Seele. Ich glaube, ich wollte niemals etwas anderes, als mit Pferden umgehen, Bücher schreiben und in Schottland leben – seit Herbst 2013 habe ich mir diesen Traum erfüllt. 

Auch meine Hobbies sind stark in Richtung Fantasy, Schottland usw. ausgerichtet.
Reiten, Schwertkampf, Bogenschiessen, auf Mittelalterveranstaltungen gehen, Abende mit Freunden am Lagerfeuer … ich habe es mittlerweile aufgegeben, ein normales Leben führen zu wollen. Meine Bücher sind von meinen persönlichen Vorlieben geprägt, vor allem die Highlandromane.“

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Kirchehrenbach, Franken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geboren in Düsseldorf, lautet ihre letzte Adresse 91356 Kirchehrenbach. Das liegt nicht in den Highlands, sondern in Franken. Doch die Gegenden ähneln sich gar nicht so wenig.

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Claudia muss ein sehr besonderer Mensch gewesen sein, talentiert, humorvoll, zugewandt. Auf ihren vielen Lesungen (u.a. 2011, Buchmesse in Leipzig) kam sie gut an. Nachdem sie zu schreiben begonnen hatte, fand sie innerhalb der ersten zwei Jahre einen Verlag. Auch gelang es ihr, kreativ zu bleiben bis zuletzt.

Die Besprechung: Aileen P. Roberts, Der Feenturm

Broschiert: 640 Seiten

  • Verlag: Goldmann Verlag (20. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442477115
  • Preis 12,99 €, amazon um 5 €

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Klappentext: „Als Dana bei ihrer Reise durch Schottland auf eine verfallene Turmruine stößt, fühlt sie sich sofort angezogen von dem Ort und seiner mystischen Stimmung. Sie verbringt die Nacht dort und ihr erscheint der Geist von Rionach, einer Piktenkriegerin, die seit 2000 Jahren an diesen Ort gebunden ist. Verzweifelt bittet sie Dana um Hilfe: Nur, wenn die junge Frau sich bereit erklärt, für sie in die Vergangenheit zu reisen und ihren Tod zu rächen, wird Rionach Frieden finden. Dana zögert, glaubt zuerst an einen Traum – und lässt sich dann doch ein auf eine gefährliche, abenteuerliche Reise …“

Wer über eine Autorin schreibt, sollte zumindest eines ihrer Bücher kennen. Ich entschied mich Vorliegendes – schlicht weil der Titel 2013 beim Deutschen Phantastikpreis den 2. Platz belegen konnte. Wobei schnell klar wurde, dass es sich um einen Gabaldon-Klon handelt, will sagen Fantasy mit heftiger Schlagseite hin zum historischen Roman. So etwas lese ich zur Abwechslung ganz gerne, kenne Diana Gabaldons gesamte Reihe.

Andererseits lag darin auch ein gewisses Risiko: besteht Claudia Lössl gegen die Altmeisterin? Mein Urteil: durchaus. „Der Feenturm“ ist ein eigenständiges Werk, ich habe den Hergang mit Interesse verfolgt. Auch wenn es in der ersten Hälfte des Buches etwas harmoniesüchtig zugeht, schreibt Claudia anschaulich und mit großem Geschick. Originelle Gedanken – z.B. über die Sidhé und die täglichen Aufgaben eines Druiden – fließen ein. Die letzten Kapitel habe ich sogar begeistert verschlungen – schade, dass sie nun keine Fortsetzung mehr finden werden.

Jenseits des Nachrufs und dieser Besprechung

mache ich mir natürlich mal wieder eigenen Gedanken. Was ist es nur, dass uns Autoren antreibt? Wo enden die Geschichten, wo beginnen wir? Oder sind sie es am Ende, die uns schreiben?

Wenn im Frühjahr 2017 mit „Landnahme“ das Finale der Elektron-Saga erscheint, wird auch meine Heldin Vera schottischen Boden betreten. Immerhin erwarten die seit der Zeitenwende wieder keltischen Ritualen folgenden Clans die Rückkehr des „einstigen und zukünftigen Königs“, Thomas Arthur Stuart. Frieden wird er ihnen wohl kaum bringen…

Es würde mich sehr freuen, auch Fans von Aileen P. Roberts unter meinen Lesern begrüßen zu können. Seid allerdings vorgewarnt: sämtliche irdischen Handlungsorte der Elektron-Saga wurden bereist und gründlich recherchiert. Natürlich auch Schottland – leider kamen dabei die Highlands nicht besonders gut weg. Das mag am Wetter gelegen habe, oder den Whiskypreisen. Die Lowlands um Edinburgh gefielen mir besser, doch wenn ich überhaupt noch einmal auf die Insel reise, so bliebe ich vor der Grenze, in der Gegend um York. Was britische Eingeborene betrifft, fällt meine Wahl auf die Waliser.

Ein Gedanke zu „In memoriam Claudia Lössl (14.04.1975 – 05.12.2015)

  1. Danke für diesen einfühlsamen Nachruf auf eine leider fast unbeachtete deutsche Fantasyautorin der Gegenwart. Hat mir sehr gefallen, Angelika. Hoffen wir einfach darauf, dass unsereins mindestens ebensolche Beachtung zuteil wird, wenn wir eines nahen oder fernen Tages aus dieser Sphäre scheiden und in den nächsten Zyklus der Reinkarnation übergehen. Ich bin da ganz optimistisch, aber man darf natürlich nie außer Acht lassen, dass es nicht nur wir selbst sind, die das Buch unseres Schicksals schreiben…

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