Goodbye, Ursula K. LeGuin (21.10.1929 – 22.01.2018)

Goodbye, Ursula K. LeGuin (21.10.1929 – 22.01.2018)

Die Große Alte Dame der SF ist tot. Und schon jetzt vermisse ich sie schmerzlich. In diese Fußstapfen zu treten, schafft vielleicht Margaret Atwood (18.11.1939), vielleicht aber auch nicht, kommt sie doch bislang, bei allem Genie, nicht an die Fabulierkunst und Herzenswärme der Älteren heran.

Natürlich las ich damals als erstes Ursula K. LeGuins >>Erdsee>> – und besorgte mir in der Folge jedes Buch, welches sie herausbrachte. Wobei sich dann herausstellte, dass ich ihre >>Orsinien<<-Romane gar nicht mochte. Doch die SF-Titel (Hainish, Planet der Habenichtse, Die linke Hand der Dunkelheit) liebte ich sehr.

Zum Glück war die deutschstämmige Autorin (das K für Kroeber führt nach Thüringen) unendlich fleißig, so dass mir der Stoff lange nicht ausging. Von den später gelesenen Titeln gehören >>Das Wunschtal<< (1984), >>Die Erzähler>> (2000) und >>Die wilde Gabe>> (2006) zu meinen Favoriten

Gerade eben lese ich im Internet, dass sie von Tolkien und Dick beeinflusst gewesen wäre – wer denkt sich nur immer so einen Mist aus? Ursula K. LeGuin war hoch gebildet und schöpfte aus ureigenen Quellen. Sonst wäre es ihr kaum gelungen, uns mit Avataren wie THEREM HARTH RE IR ESTRAVEN, TENAR und den übrigen Verzehrten zu bereichern.

Ich würde eher behaupten, dass es die große alte Dame verstand, andere Autoren zu inspirieren: so fand ich stets, Mary Gentles >>Chronik von Carrick V der Botschafterin Lynne de Lisle Christie (Orthe-Zyklus = Goldenes Hexenvolk/Altes Licht, 1984)>> lese sich wie ein weiterer Hainish-Roman. Und einen Drachen in einen Menschen zu verwandeln – und umgekehrt – wagte auch Barbara Hambly, (Der schwarze Drache, 1984, Drachentöter, 2002).

Ursula K. Le Guin beschrieb ihre Arbeitsweise einmal folgendermaßen als eine Art visionären Prozess bzw. visionäre Aufgabe: >>Man sieht jemanden, auf eine gewisse Entfernung, meist in einer Landschaft. Der Ort ist da, die Person ist da. Ich erfinde sie nicht, ich denke sie mir nicht aus: Er oder sie ist dort. Und meine Aufgabe ist es, auch dorthin zu kommen.<<

Ganz ähnlich, wie sich mein Schreibprozess gestaltet (der Vergleich ist vermessen, ich weiß), erging es also offenbar auch LeGuin. Die bestimmenden Elemente in ihren Werken sind als Protagonisten Teil und in Beziehung zu der sie umgebenden Welt. Wer möchte, kann also ihre Erzählungen in vier Hauptgruppen einteilen, entsprechend den vier fiktiven Welten Le Guins, denen ein Großteil ihrer Werke zugeordnet werden kann. Diese sind

die Science-Fiction-Welt des Hainish-Zyklus,

die Fantasy-Welt der Erdsee-Romane,

das fiktive, zentraleuropäische Land Orsinien und

die amerikanische Westküste, in einer nahen, nicht näher bestimmten Zukunft.

Ursula K. Le Guin hatte indes wenig übrig für die Aufteilungen und Abgrenzungen, die mit den Genrebegriffen der Science-Fiction verbunden sind, wie sie in ihrem Essay >>Genre: A Word Only the French Could Love>> formulierte. 

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