Félix J. Palma

Félix J. Palma

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Félix J. Palma wollte immer schon vom Schreiben leben. Der 1968 in Sanlúcar de Barrameda geborene Spanier ist zwar ausgebildeter Werbefachmann, hat aber nie in diesem Beruf gearbeitet – und wie es aussieht, bleibt das auch so. Denn Félix J. Palma hat es geschafft, bis zu seinem internationalen Durchbruch mit dem Schreiben von Erzählungen für Stipendien und ausgeschriebene Preise sein Leben zu finanzieren. Er bewarb sich in seiner Heimat landauf landab um Ausschreibungen, nahm an Literaturwettbewerben teil und wusste mit der Zeit ziemlich genau, wie er die Geschichten entwickeln musste, um diese Stipendien und Preise zu gewinnen.

Mit seinem Buch „Die Landkarte der Zeit“ kam schließlich der große Erfolg für den in Madrid lebenden Autor: Palma erhielt dafür u. a. den „Premio Ateneo de Sevilla“. (Quelle: amazon)images (1)

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  • Taschenbuch: 768 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 2 (1. Dezember 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3499253195
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,6 x 4 cm
  • Preis: 9,99 € / antiqu: 0,48 + 3 € Versandgebühr

 

 

 

 

Der „intelligente Abenteuerroman“ nach Art eines viktorianischen Schauer-Schmökers kam 2010 bei Kindler heraus und begeisterte nicht zuletzt diese Rezensentin rückhaltlos. Zuviel vom Inhalt zu verraten, hieße das Vergnügen des ersten Lesens zu schmälern. Nur soviel: auch hier geht es schon um den Schriftsteller H.G. Wells. Dieser ärgert sich unmäßig über das Unternehmen „Zeitreisen Murray“, welches sich ungeniert an seinem geistigen Eigentum bedient und bereichert. Andererseits scheint es nur Mithilfe der Machenschaften des zwielichtigen Eigentümers Rettung zu geben für Liebende, die durch ein grausames Schicksal getrennt werden… Köstlich!

Die Landkarte des Himmels

 

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  • Gebundene Ausgabe: 896 Seiten
  • Verlag: Kindler (21. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3463406251
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,2 x 5,4 cm

Preis 24,95 € / amazon 02/6: 2,86 €

 

 

 

Von mir gänzlich unbemerkt, brachte Félix J. Palma 2012 die Fortsetzung o.g. Renners heraus. Dass die Stadtbibliothek RE das Werk unter „Historisches“ einsortierte, war auch nicht wirklich eine Hilfe – diesem Band gebührt eine andere Kategorie: Steampunk total! Doch jetzt haben wir uns ja gefunden.

Und so zögere ich nicht, in die Lobeshymne des Kollegen Jürgen Zeller einzustimmen (ergänzt durch die nötigen Satzzeichen): „ Wem (der Erstling) … gefallen hat, der sollte sich unbedingt dieses Buch kaufen und lesen. Im Umkehrschluss gilt aber auch: wer es nicht mochte, wird auch mit „Die Landkarte des Himmels“ seine liebe Mühe haben und nicht glücklich werden. Dieser Roman ist konzeptionell ähnlich aufgebaut, ist sprachlich und literarisch auf dem selben hohen Niveau und ist wahrlich ein sprühendes Feuerwerk von überbordender Phantasie und unglaublichen Abenteuern. Wer das obenerwähnte Buch nicht kennt, darf natürlich mit diesem Werk beginnen, wobei es besser wäre den ersten Band der geplanten Trilogie zu kennen. Gesucht werden tapfere und furchtlose Leser/-innen für eine Expedition zum Südpol und ins viktorianische London. Der Auftrag: Suche nach dem Mittelpunkt der Erde, Bekämpfung der Invasion vom Mars und das Entflammen eines wärmenden Feuers der Liebe. Vorsicht: Extreme Kälte, unermesslicher Schrecken und permanente Gefahr. Eine Rückkehr in die Realität kann nicht garantiert werden. Lohn: Gefühlsaufruhr, ein unerklärlich aufblitzendes Lustgefühl und tiefe Zufriedenheit im Erfolgsfall.“

Ja, ein toller Schmöker. Und obwohl ich solche Bemerkungen hasse (besonders, wenn sie im Klappentext auftauchen): ich gäbe viel darum, schreiben zu können wie Palma. Gekleidet in die Person des buchstäblich „allwissenden Erzählers“, erlaubt er sich keinen einzigen Schnitzer. Es gelang mir nicht, auch nur eine der kurzweiligen Wendungen vorauszusehen. Mancher wird vielleicht seine Einlassungen über Schriftsteller langatmig finden: mir ging es nicht so. Dies kann möglicherweise damit zusammenhängen, dass ich mich gern selber dazu zählte.

Gemeinsam mit zahlreichen anderen Protagonisten erleben H.G. Wells, sein Widersacher Murray, Edgar Allan Poe und ein Strauß lieblicher Damen (auch solche aus Teil 1) eine Parforcejagd durch die SF-Literatur der letzten 150 Jahre. Als sie dabei auf den „Special Agent“ Cornelius Clayton treffen (Mulder lässt grüßen), habe ich mir regelrecht auf die Schenkel geklopft.

Zum Abschluss aus vorliegendem Band ein Zitat, mit dem mir Palma wirklich aus dem Herzen spricht (hier durch H.G. Wells): „…Nachdem er Hunderte von Romanen aller Art gelesen hatte, war ihm klar geworden, dass nur solche, die irgendein phantastisches Element zwischen ihren Seiten bargen, ihm jenes unerklärlich aufblitzende Lustgefühl vermitteln konnten, das höchstens mit einem Orgasmus zu vergleichen war. Er wusste nicht, warum bei anderen Romanen dieses Gefühl ausblieb und er verstand nicht, wie es Menschen geben konnte, die dafür nicht empfänglich waren… “  Sic!

Die Landkarte des Chaos

51ksvrFBrpL._SX323_BO1,204,203,200_Gebundene Ausgabe: 864 Seiten

  • Verlag: Kindler (25. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3463406586
  • ISBN-13: 978-3463406589
  • Originaltitel: El Mapa del caos

Preis 24,95 €

Endlich ist die Trilogie komplett. Diesmal durch Uwe Lammers vorgewarnt, hatte ich das Regal „Historisches“ der Stadtbibliothek Recklinghausen fest im Blick. Im Januar 2016 gelang es dann, das Buch zu schnappen, vermutlich als Erste, es sieht noch richtig schön neu aus.

Da die Lektüre der ersten beiden Bände Jahre zurückliegt, hatte ich zunächst Probleme, in den Fluss der Erzählung hineinzukommen. Wie im Titel anklingend, geht es hoch her, Geister und Werwölfe geben sich ein Stelldichein. Sir Arthur Conan Doyle ergänzt den Kreis. Zum Glück ist Palma dabei wieder einmal in Bestform. Auch mag ich seine Prosa wirklich sehr, denn richtigen Anschluss fand ich erst um die Seite 200… Von daher empfehle ich, sich unbedingt Buch 1 + 2 zu besorgen, die Trilogie in einem Rutsch zu lesen.

Ansonsten wieder ein kurzweiliges Vergnügen, ich bin begeistert: spätestens auf Seite 739 war es mir gelungen, alles über (Zitat) „die Verfolger, das Buch, den Unsichtbaren und das Leben in verschiedenen Welten“ herauszufinden.

Dabei gelang dem Autor das Kunststück, mir das Multiversum nahe zu bringen. Keine kleine Sache, denn eigentlich ist mir schon die Vorstellung verhasst: Ich entscheide mich für eine Sache, hunderttausend andere Versionen meine Selbst anders – wie beliebig ist das denn. Das kann man dann ja gleich völlig sein lassen – doch nein, dank Palma habe ich es jetzt endlich kapiert.

Ich bin (Zitat)“mit der höchsten Erkenntnis in Berührung gekommen“, habe „die tiefe Wahrheit dessen erkannt, was (mir) zugestoßen ist, was (ich) erlebt habe. Und das hat (mich) gleichsam zu einer Fremden im eigenen Universum gemacht, vorübergehend, zumindest. (Zitatende)

Stanislaw Lem (1931 – 2006) war genial, doch er war kein Erzähler. Félix J. Palma ist beides.
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