Christian Torkler: Der Platz an der Sonne

 

Christian Torkler: Der Platz an der Sonne

Klett-Cotta, Stuttgart

30.08.2018, 592 S.

Hardcover

ISBN-13: 978-3608962901

Ein absolut lesenswertes Buch, Christian Torkler (Jahrgang 1971) besticht durch kraftvolle, realistische Prosa. Mich erinnerte sein Stil sofort an einen anderen Autor. Und zu meiner Überraschung verbindet diese beiden noch mehr. Angesichts der Portraits scheint mir, als ähnele Christian Torkler Hans Fallada (Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen,18931947) geradezu gespenstisch.

>>Kleiner Mann, was nun<< (erschienen 1932) könnte auch das Motto des Protagonisten sein. Doch Josua Brenner – und hier wird es schräg – lebt 1978 und zwar, mehr schlecht als recht, in der Neuen Preußischen Republik. Alles liegt in Trümmern, die Kinder klauen Kohlen und in der Politik geben sich die Halunken die Klinke in die Hand. Und in den übrigen sechs miteinander verfeindeten deutschen Kleinstaaten sieht es nicht besser aus.

Christian Torkler stellt unsere Realität mal eben auf dem Kopf. In seiner Parallelweltgeschichte schloss sich an den zweiten Weltkrieg gleich der dritte an, ausgelöst durch die Berliner Luftbrücke. Im Elsass stritt man sich gleich bis 1966.

Sicherlich wäre es geschickter gewesen, dem geneigten Leser diese Fakten gleich zu vermitteln, als ihn bis Seite 252 auf die Folter zu spannen. In meinen Augen ist die Gefahr hoch, dass so mancher nicht durchhält, das Buch verwirrt zur Seite legt. Denn natürlich gibt es von den knallharten, realistischen Geschichten nicht gerade wenige. Fallada hat sie bereits geschrieben. B. Traven ebenfalls – an ihn erinnerte ich mich spätestens, als Josua Brenner auf dem Seelenverkäufer landet.

Später jedoch – Josua Brenner treibt, mit vielen Leidensgenossen, in einem lecken Boot im Mittelmeer – war ich froh, durchgehalten, mitgemacht zu haben. Denn der vielgereiste Autor, der selbst lange in Afrika lebte, hält uns auch weiterhin den Spiegel vor: seine afrikanischen Staaten sind reich und satt. Und mit den europäischen Bettelbrüdern haben sie nicht viel am Hut.

Hans Fallada (Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen,1893-1947)

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