Bernhard Hennen / Die Chroniken von Azuhr, Band 1: Der Verfluchte

Bernhard Hennen

Die Chroniken von Azuhr

Band 1: Der Verfluchte

Broschiert: 576 Seiten

Verlag: FISCHER Tor; Auflage: 2 (29. Dezember 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3596297265

ISBN-13: 978-3596297269

Größe und/oder Gewicht: 13,5 x 4,5 x 21,6 cm

Unseren Start hatten Bernhard Hennen und ich 2007. Ich geriet an >>Nebenan<< und mochte die originelle Idee, dass Hexen, Werwölfe, Trolle und andere phantastische Geschöpfe über den Kölner Dom in unsere Daseinsebene eindringen. Das Buch gefiel und steht heute noch im Regal.

Doch dann ging es mit der Elfensaga los und wurde schwierig … geradezu schwurgelig. Insgesamt drei Staffeln (2007 bis 2017), 10 dicke Schwarten und ich möchte wirklich den/die treffen, wer hiervon nicht jede Menge Seiten nur quer gelesen hat. Im Nachhinein betrachtet, bedeuten mir diese Reihen nur den Kreislauf von Zugreifen (nur weil sie wohlfeil in der Stadtbibliothek stehen), lesen (meine Kernkompetenz!), blättern, ärgern (booah, die Hälfte kann hier weggestrichen werden) und überpünktlicher Rückgabe. Man sieht, ich bin kein Fan. Doch hätte mich nicht das eine oder andere gefesselt, wären diese Handlungen nicht über all die Jahre wiederholt worden.

Ebenfalls in der Stadtbibliothek begegnete ich Phileasson (2017 – Silberflamme). Nur kurz, denn dessen schwurgeliger Prosa musste ich mich schnellstens wieder entziehen. Ob Robert Corvus daran Schuld trägt? Das wäre blöd, denn ihn kenne ich persönlich, mag ihn gut leiden. Aber im Zweifelsfall schieben wir es halt auf den Lektor … Außerdem gibt es wenig, was anderen nicht gefällt, man sehe nur die Schlagerwelt.

Von solcher Toleranz erfüllt, ergriff ich vor wenigen Wochen Band 1 der >>Chroniken von Azuhr<<, las sie an – und war begeistert!

Auch Bernhard Hennen schlüpft nun in den Freiraum, den G.R.M.M. für uns eröffnet hat. Martin wird >>Game of Thrones<< nicht weiterschreiben, kann es gar nicht, da sich die Literaturvorlage von der Verfilmung zu weit entfernt hat. Aus dieser Ecke erwartet uns kein Kopfkino mehr, höchstens Nacherzählungen von längst Bebildertem.

Umso mehr Platz für neue Geschichten – auch Hennen hat nun diesen Faden aufgenommen. Und macht es tadellos – ich folgte ihm von Wort zu Wort. >>Arbora, Atrium hinter dem Oktagon, früher Abend, 7. Tag des Hitzemondes, 53. Jahr vor Sasmiras zweiter Thronerhebung<< So S. 7 – und wer wäre nicht gerne hier?

Wie so viele Jugendliche, hadert Milan Tormeno mit seinem übermächtigen, gefühlskaltem Vater. Nandus Tormeno ist der Erzpriester und will ihn nach seinem Vorbild formen. Vor Prügel und Folter schreckt er hierbei nicht zurück. Doch Milan erweist sich als ebenso klug und willensstark wie er … und schon bald verstricken ihn Konkubine Nok und Meisterdiebin Felicia in ihr Intrigennetz.

Namen der Orte und Figuren erscheinen italienischen Ursprungs. Zweifellos hat Bernhard Hennen diesmal die literarischen Quellen studiert. Pest, öffentliche Hinrichtungen und Kriegszüge bilden das Gegengewicht zu einer im Fortgang der Handlung ständig stärker zu Tage tretenden Fantasy-Komponente.

Schlimm allerdings, wie der Autor ständig von >>Mären<< spricht! Schon klar: Märchen verniedlichen, doch >>Mähren<< sind nun einmal vor allen Dingen – Pferde, dazu nicht die Luxusvariante. Um beim Leser literarischen Schluckauf zu vermeiden (der Phileasson-Effekt), hätte ich als Lektorin hier zur schlichten >>Sage<< geraten.

Trotzdem besitzt der >>Krähenmann>> Format und Tiefe. Alles in allem: Chapeau! Ich werde ganz sicher weiter lesen.

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