Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc.

 

Bernardine Evaristo

Mädchen, Frau etc.

Was für Geschichten … ich bin begeistert, kann nur in den auf der Rückseite des Buches versammelten Chor mit einstimmen. Ja, Elif Shafak (immerhin eine türkisch/englische Kollegin, die selbst bereits 18 Bücher veröffentlicht hat) – diese Autorin sollte von allen gelesen werden, überall. Mit ihrer schnörkellosen Erzählweise, dem umwerfenden Humor bereitete sie mir ein wahres Vergnügen.

Ganz wie ihre Heldinnen aus „Girl, Woman, Other“ wurde Bernardine Anne Mobolaji Evaristo 1959 von einem Wust multinationaler Wurzeln hervorgebracht und wuchs in Großbritannien auf. 1997 veröffentlichte sie den ersten Roman. Leider wurde erst der vorliegende ins Deutsche übertragen. Ich finde dies recht schade, sonst hätte ich sie mir sicherlich alle bestellt.

Doch handelt die Geschichte wirklich von „schwarzen Frauenstimmen“, wie die Washington Post annimmt? Ich finde das nicht. Eher entnehme ich diesem Chor von anmutigen, sympathischen Protagonist*innen (ja, es kommen Männer vor – und weitere Geschlechter, der Göttin zum Lobe), dass die Hautfarbe irrelevant ist. Was zählt ist die Fähigkeit, das Leben und die Gelegenheiten beim Schopf zu packen.

Ganz großes Kino, wie die Autorin ihre Familiennetze knüpft und dabei bis in das 19. Jahrhundert zurückgeht. Hier ist wirklich jede mit jedem verwandt und genauso ist es ja auch. Man macht Fehler, scheitert, steht wieder auf, erlangt Vergebung – ich wäre dem Faden gerne noch etliche Jahrhunderte tiefer gefolgt. Gleichzeitig verliert sie aber auch das Hier und Jetzt niemals aus den Augen.

Selten habe ich ein Buch derart ungern aus der Hand gelegt.

 

 

Kevin Hearne, TINTE UND SIEGEL

Kevin Hearn

TINTE UND SIEGEL

Die Chronik des Siegelmachers 1

Ink & Sigil, 2020

Klett-Cotta, Stuttgart, 20.02.2021, Softcover, 378 S., Friedrich Mader

Die Daumen hoch für Kevin Hearne! 1970 geboren, hat er zehn Jahre lang treu und brav jedes Jahr seinen eisernen Druiden  Siodhachan Ó Suileabháin, genannt Atticus O’Sullivan, quer über die Erde und durch jedwedes göttliche Pantheon gehetzt. Nicht immer fiel es mir leicht, ihn dabei zu begleiten und das Interesse zu wahren. Ich bin eigentlich keine Reihenleserin und so hätte ich gerne auf so manche Umleitung verzichtet. Vier Bände, finde ich, sind für jedwede Geschichte lang genug, besser nur drei … Trotzdem blieb ich mehr oder weniger bei der Stange, denn Kevin Hearne ist witzig, verströmt menschliche Wärme. Weiterlesen